Mit Recovery Einstein sprechenSie sind nicht allein – Tag und Nacht
Alcoholics Anonymous · 4. Auflage (englisch)

Die 12 Traditionen,
was sie wirklich sagen

1950 aus einem einzigen Grund verabschiedet: damit die AA nicht in fremden Besitz gerät. Das meiste, was online kursiert, ist die Kurzform, in der der wichtige Teil fehlt.

KurzformS. 561–562
Langform – diese lesenS. 563–566
Zwölf KonzepteS. 574–575

Über die Zwölf Traditionen wird ständig dreierlei gesagt, und alle drei Behauptungen sind falsch.

Sie sind keine Theologie. Die Traditionen sind Organisationsgrundsätze – Strukturregeln dafür, wie die Gemeinschaft sich selbst führt, damit sie lange genug besteht, um Menschen zu helfen. Mit Gott oder einer Höheren Macht haben sie nichts zu tun. Wenn Tradition 2 als höchste Autorität „einen liebenden Gott, wie Er sich in dem Gewissen unserer Gruppe zu erkennen gibt“ nennt, ist das eine Ausdrucksweise der 1940er-Jahre für einen strukturellen Gedanken: Die Gruppe entscheidet, und keine einzelne Person führt.

Sie binden nicht Sie persönlich. Die Traditionen regeln die Gruppen der AA und die Gemeinschaft. Sie sind keine Vorschriftensammlung für das Privatleben eines Mitglieds, und sie schränken Organisationen, die nicht zur AA gehören, in keiner Weise ein.

Und die wichtigste Klausel steht nicht in der Fassung, die man Ihnen gezeigt hat. Die Forderung der Tradition 3, dass eine Gruppe „keine andere Bindung“ eingeht, gibt es nur in der Langform (S. 563–566). Es ist die Klausel, die besagt, dass kein Behandlungszentrum eine AA-Gruppe besitzen kann – und genau diese Klausel ist aus dem Internet verschwunden.

Wo sie herkamen, 1937–1950, datiert und belegt: Wie die Zwölf Traditionen entstanden →

Die Zwölf Traditionen – beide Formen, vollständig

Kurzform und Langform, im Wortlaut der deutschsprachigen AA (Blaues Buch, Anhang 1), mit den Seitenzahlen von Alcoholics Anonymous, 4. Auflage (englisch). Die meisten Seiten veröffentlichen nur die Kurzform. Die Einleitung der AA selbst auf Seite 561 (Blaues Buch, S. 419) sagt, die Langform sei „ausführlicher und vielleicht von historischem Wert“ – deshalb ist sie hier ebenfalls abgedruckt, so wie es auch das Buch selbst tut.

Tradition 1

Kurzform · S. 562
Unser gemeinsames Wohlergehen sollte an erster Stelle stehen; die Genesung des Einzelnen beruht auf der Einigkeit der Anonymen Alkoholiker.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Jeder einzelne Alkoholiker ist nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen. Die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker muss weiter bestehen, sonst werden die meisten von uns sterben. Darum steht unser gemeinsames Wohlergehen an erster Stelle, das Wohlergehen des Einzelnen aber kommt sofort danach.

Einfach gesagt Die AA besteht nur fort, wenn sie zusammenhält. Darum steht die Einigkeit an erster Stelle.

Tradition 2

Kurzform · S. 562
Für den Sinn und Zweck unserer Gruppe gibt es nur eine höchste Autorität – einen liebenden Gott, wie Er sich in dem Gewissen unserer Gruppe zu erkennen gibt. Unsere Vertrauensleute sind nur betraute Diener; sie herrschen nicht.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Für den Sinn und Zweck unserer Gruppe gibt es nur eine höchste Autorität – einen liebenden Gott, wie Er sich in dem Gewissen unserer Gruppe zu erkennen gibt.

Einfach gesagt Strukturell, nicht theologisch: Die Gruppe entscheidet, und keine einzelne Person führt.

Tradition 3

Kurzform · S. 562
Die einzige Voraussetzung für die AA-Zugehörigkeit ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Zu den Anonymen Alkoholikern gehören alle, die unter dem Alkoholismus leiden. Wir können niemanden zurückweisen, der genesen möchte. Die Zugehörigkeit zu den AA sollte niemals von Geld oder Meinungsgleichheit abhängig gemacht werden. Wenn sich zwei oder drei Alkoholiker treffen, um über ihre Nüchternheit zu reden, können sie sich AA-Gruppe nennen, vorausgesetzt, dass sie als Gruppe keine andere Bindung eingehen.

Einfach gesagt Hier zählt die Langform – eine Gruppe mit irgendeiner anderen Bindung ist keine AA-Gruppe.

Tradition 4

Kurzform · S. 562
Jede Gruppe sollte selbstständig sein, außer in Dingen, die andere Gruppen oder die Gemeinschaft der AA als Ganzes angehen.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
In ihren eigenen Angelegenheiten sollte jede AA-Gruppe selbstständig sein und keine andere Autorität als das eigene Gruppengewissen haben. Wenn eine Gruppe sich auch noch um das Wohlergehen der benachbarten Gruppen kümmert, sollte das gemeinsam beraten werden. Keine Gruppe, kein Komitee, kein Einzelner sollten jemals etwas tun, das die Gemeinschaft der AA als Ganzes angeht, ohne sich vorher mit den Vertrauensleuten des Gemeinsamen Dienstausschusses abgesprochen zu haben. Unser gemeinsames Wohlergehen steht an erster Stelle.

Einfach gesagt Jede Gruppe regelt ihre eigenen Angelegenheiten, außer wo es andere Gruppen oder die AA als Ganzes berühren würde.

Tradition 5

Kurzform · S. 562
Die Hauptaufgabe jeder Gruppe ist, unsere AA-Botschaft zu Alkoholikern zu bringen, die noch leiden.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Jede Gruppe der Anonymen Alkoholiker sollte bestrebt sein, in spiritueller Übereinstimmung nur ein Hauptziel zu haben, die Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben, die noch leiden.

Einfach gesagt Ein Ziel. Nicht mehrere.

Tradition 6

Kurzform · S. 562
Eine AA-Gruppe sollte niemals irgendein außenstehendes Unternehmen unterstützen, finanzieren oder mit dem AA-Namen decken, damit uns nicht Geld-, Besitz- und Prestigeprobleme von unserem eigentlichen Zweck ablenken.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Geld-, Besitz- und Autoritätsprobleme können uns leicht von unserem wichtigen spirituellen Ziel ablenken. Darum meinen wir, dass größere Besitztümer, die durch die Gemeinschaft der AA genutzt werden, separat geführt und verwaltet werden sollen, damit Materielles von Spirituellem getrennt wird. Eine AA-Gruppe sollte niemals Geschäfte machen. Untergeordnete Einrichtungen, die für die Gemeinschaft der AA nützlich sein könnten, wie Klubs, Krankenhäuser, bei denen die Besitzverhältnisse geregelt und die Verwaltung gewährleistet sein muss, sollten selbstständig und separat geführt werden. Wenn nötig, sollten sich die Gruppen von solchen Einrichtungen ungehindert trennen können. Diese Einrichtungen sollten niemals den Namen AA tragen. Die Geschäftsführung sollte nur denen gegenüber verantwortlich sein, die das Unternehmen finanzieren. In derartigen Klubhäusern werden vorzugsweise Anonyme Alkoholiker als Geschäftsführer eingestellt. Doch Krankenhäuser und andere Genesungsheime müssen medizinisch überwacht werden; die Leitung sollte nichts mit den AA zu tun haben. Obwohl jede AA-Gruppe mit anderen zusammenarbeiten kann, sollte aus der Zusammenarbeit niemals eine Verbindung oder Unterstützung einer anderen Organisation werden. Eine AA-Gruppe kann sich an keine andere außenstehende Gruppe binden.

Einfach gesagt Zusammenarbeit darf nie zur Bindung werden. Eine AA-Gruppe kann sich an niemanden binden.

Tradition 7

Kurzform · S. 562
Jede AA-Gruppe sollte sich selbst erhalten und von außen kommende Unterstützungen ablehnen.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
AA-Gruppen sollten sich vollkommen selbst erhalten durch freiwillige Spenden ihrer eigenen Mitglieder. Nach unserer Ansicht sollte jede Gruppe diesen Idealzustand erreichen; jede öffentliche Sammlung unter dem Namen Anonyme Alkoholiker ist sehr gefährlich, ob sie nun von Gruppen, Klubs, Krankenhäusern oder außenstehenden Einrichtungen durchgeführt wird. Die Annahme größerer Geschenke oder Spenden, die mit irgendeiner Verpflichtung verbunden sind, ist unklug. Wir beobachten auch mit Sorge die Kassierer innerhalb unserer Gemeinschaft, die neben einer vernünftigen Reserve Gelder horten für neben dem festgeschriebenen AA-Ziel liegende Zwecke. Erfahrung lehrt und warnt uns, dass nichts unser spirituelles Erbe so endgültig zerstören kann wie unnötiger Streit um Besitz, Geld und Macht.

Einfach gesagt Nicht Armut als Tugend, sondern Unabhängigkeit, mit Absicht erworben. Eine Gruppe, die nichts schuldet, lässt sich nicht steuern.

Tradition 8

Kurzform · S. 562
Die Tätigkeit bei den Anonymen Alkoholikern sollte immer ehrenamtlich bleiben, jedoch dürfen unsere zentralen Dienststellen Angestellte beschäftigen.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Die Tätigkeit innerhalb der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker sollte immer ehrenamtlich sein. Unter professionellen Tätigkeiten verstehen wir die Ausübung eines Berufes als Berater für Alkoholiker gegen Entgelt. Wir können jedoch Alkoholiker einstellen, die mit Aufgaben betraut werden, für die wir sonst Nichtalkoholiker einstellen müssen. Diese Dienstleistungen werden gut bezahlt. Doch unsere normale Arbeit im Zwölften Schritt wird niemals bezahlt.

Einfach gesagt Die Arbeit im Zwölften Schritt wird nie bezahlt. Dienstbüros dürfen Mitarbeiter beschäftigen.

Tradition 9

Kurzform · S. 562
Anonyme Alkoholiker sollten niemals organisiert werden. Jedoch dürfen wir Dienst-Ausschüsse und -Komitees bilden, die denjenigen verantwortlich sind, welchen sie dienen.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Jede AA-Gruppe braucht ein Mindestmaß an Organisation. Rotation in der Führung ist am besten. In einer kleinen Gruppe kann ein Sekretär (Gruppensprecher) gewählt werden, in einer größeren ein sogenanntes Rotationskomitee. Gruppen, die für ein bestimmtes Stadt- oder Landgebiet zuständig sind, wählen eine City-, Landes- oder Intergruppe. Sie haben häufig einen fest angestellten Mitarbeiter. Die Vertrauensleute des Gemeinsamen Dienstausschusses bilden das Dienstkomitee der AA. Sie sind die Wächter über unsere Traditionen und die Verwalter freiwilliger Spenden von Anonymen Alkoholikern oder deren Gruppen. Mit diesen Spenden wird das gemeinsame Dienstbüro in New York unterhalten. Die Vertrauensleute haben die Vollmacht der Gruppen, die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen, und sie garantieren für die Integrität unserer hauptsächlichen Zeitschrift, „AA-Grapevine“. Als solche Vertreter sehen sie in ihrer Tätigkeit eine dienende Aufgabe. Die wahren Führer unserer Gemeinschaft sind vertraute und erfahrene Diener des Ganzen. Aus ihrer Tätigkeit leiten sie keine Autorität ab; sie regieren nicht. Der ihnen allgemein entgegengebrachte Respekt ist der Schlüssel ihres nutzvollen Wirkens.

Einfach gesagt So wenig Organisation wie möglich. Führende leiten aus ihren Titeln keine Autorität ab.

Tradition 10

Kurzform · S. 562
Anonyme Alkoholiker nehmen niemals Stellung zu Fragen außerhalb ihrer Gemeinschaft; deshalb sollte auch der AA-Name niemals in öffentliche Streitfragen verwickelt werden.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Keine AA-Gruppe und kein einzelner Anonymer Alkoholiker sollten je im Namen der AA irgendeine Meinung zu Fragen außerhalb der Gemeinschaft äußern, besonders dann nicht, wenn es sich um Politik, um Alkoholdiskussionen oder um religiöse Streitfragen handelt. Die Gruppen der Anonymen Alkoholiker stehen zu niemandem in Opposition. Sie können demnach in solchen Angelegenheiten keine Ansichten äußern.

Einfach gesagt Die AA nimmt zu Streitfragen von außen keine Stellung, damit ihr Name nie in sie hineingezogen wird.

Tradition 11

Kurzform · S. 562
Unsere Beziehungen zur Öffentlichkeit stützen sich mehr auf Anziehung als auf Werbung. Deshalb sollten wir gegenüber Presse, Rundfunk, Film und Fernsehen stets unsere persönliche Anonymität wahren.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Bei unseren Beziehungen zur Öffentlichkeit sollte unsere persönliche Anonymität gewahrt bleiben. Nach unserer Ansicht sollte die Gemeinschaft der AA auf sensationsheischende Reklame verzichten. Unsere Namen und Fotos sollten nicht im Zusammenhang mit den AA durch Radio, Film und Presse bekannt gemacht werden. Unsere Beziehung zur Öffentlichkeit stützt sich mehr auf Anziehung als auf Werbung. Es besteht keine Veranlassung, uns selbst anzupreisen. Wir fühlen uns wohler, wenn unsere Freunde für uns sprechen.

Einfach gesagt Das regelt, wie die AA sich selbst darstellt. Es ist keine Regel für Organisationen, die nicht zur AA gehören.

Tradition 12

Kurzform · S. 562
Anonymität ist die spirituelle Grundlage aller unserer Traditionen, die uns immer daran erinnern soll, Prinzipien über Personen zu stellen.
Langform · S. 563–566 – die Fassung, die das Internet weglässt
Und schließlich glauben wir Anonymen Alkoholiker, dass das Prinzip der Anonymität von ungeheurem spirituellem Wert ist. Wir werden daran erinnert, Prinzipien über Personen zu stellen. Wir müssen echte Demut beweisen. Die uns zuteilgewordene große Gnade sollte uns nie überheblich werden lassen. Wir sollten immer in Dankbarkeit an IHN denken, der über allem steht.

Einfach gesagt Prinzipien über Personen stellen – eine Übung in Demut, kein Maulkorb.

Die Fragen, die Menschen wirklich stellen

Wo stehen die Zwölf Traditionen im Blauen Buch?

Die KURZFORM der Zwölf Traditionen steht auf den Seiten 561–562 von Alcoholics Anonymous, 4. Auflage (englisch). Die LANGFORM – die ausführlichere, ursprüngliche Fassung – steht auf den Seiten 563–566. Die Zwölf Konzepte folgen auf den Seiten 574–575. Fast jede im Netz kursierende Fassung zitiert nur die Kurzform, weshalb so vieles, was Menschen über die Traditionen erzählt wird, unvollständig ist.

Handeln die Zwölf Traditionen von Gott oder einer Höheren Macht?

Nein. Das ist der am häufigsten verzerrte Punkt der Traditionen. Die Zwölf Traditionen sind Grundsätze der Führung, der Organisation und der Struktur – es geht darum, wie die Gemeinschaft sich selbst führt, damit sie lange genug besteht, um Menschen zu helfen. Mit Gott oder einer Höheren Macht haben sie nichts zu tun. Das Blaue Buch behandelt die persönliche Genesung; die Traditionen behandeln, wie die AA sich selbst leitet. Die Ausdrucksweise der 1930er- und 1940er-Jahre in Tradition 2 – „einen liebenden Gott, wie Er sich in dem Gewissen unserer Gruppe zu erkennen gibt“ – ist Sprache jener Zeit, gewählt, um einen strukturellen Grundsatz annehmbar zu machen, keine theologische Aussage. „Gruppengewissen“ bedeutet die gemeinsame Entscheidung der Gruppe, nicht göttliche Führung. „Liebender Gott“ heißt in diesem Satz, dass kein einzelner Mensch das Sagen hat.

Gelten die Zwölf Traditionen für einzelne Mitglieder?

Nein. Die Traditionen binden die AA-GRUPPEN und die Gemeinschaft als Ganzes – ihr inneres Leben und wie die AA sich zur Welt verhält. Sie regeln nicht das private oder äußere Leben eines einzelnen Mitglieds, und sie binden keine unabhängigen Organisationen, die nicht zur AA gehören. Sie wurden 1950 verabschiedet, damit die AA nicht in fremden Besitz gerät, vereinnahmt oder durch Streit um Geld, Besitz und Autorität zerrissen wird. Sie sind keine Vorschriftensammlung für das persönliche Leben eines Mitglieds.

Kann ein Behandlungszentrum oder eine Reha eine AA-Gruppe führen?

Nicht, wenn es danach noch eine AA-Gruppe sein soll. Die LANGFORM der Tradition 3 (Seite 563 der 4. Auflage, englisch) sagt, dass sich zwei oder drei Alkoholiker, die sich treffen, um über ihre Nüchternheit zu reden, AA-Gruppe nennen können, „vorausgesetzt, dass sie als Gruppe keine andere Bindung eingehen“. Diese Klausel ist entscheidend – und es gibt sie NUR in der Langform, weshalb sie in den meisten im Netz kursierenden Fassungen fehlt. Sobald eine Gruppe die Bindung an eine Einrichtung trägt, ist sie das Programm dieser Einrichtung unter dem Namen der AA, keine AA-Gruppe. Tradition 6 verstärkt das: Eine AA-Gruppe kann sich an niemanden binden, und aus der Zusammenarbeit darf nie eine Verbindung oder Unterstützung werden (im englischen Original: „affiliation or endorsement, actual or implied“).

Braucht man von irgendjemandem eine Erlaubnis, um ein AA-Meeting zu beginnen?

Nein. Nach der Langform der Tradition 3 können sich zwei oder drei Alkoholiker, die sich treffen, um über ihre Nüchternheit zu reden, AA-Gruppe nennen, vorausgesetzt, dass sie als Gruppe keine andere Bindung eingehen. Die Zustimmung eines Behandlungszentrums ist nicht erforderlich. Keine Einrichtung, Organisation oder Institution kann eine AA-Gruppe besitzen oder genehmigen. Jeder Alkoholiker kann überall mit zwei oder drei Menschen ein Meeting beginnen, und es ist eine rechtmäßige AA-Gruppe.

Heißt „mehr auf Anziehung als auf Werbung“, dass ein Genesungsunternehmen nicht werben darf?

Nein – und das ist ein häufiges und folgenreiches Missverständnis. „Mehr auf Anziehung als auf Werbung“ ist Tradition 11, und Tradition 11 ist ein Grundsatz der ÖFFENTLICHKEITSARBEIT der Gemeinschaft AA und ihrer Mitglieder, wenn sie als AA-Mitglieder handeln. Er regelt, wie die AA sich selbst darstellt. Er bindet keine unabhängigen Organisationen, die nicht zur AA gehören, und ist kein allgemeines Werbeverbot. Die Traditionen auf Einzelne in ihrem äußeren Leben oder auf fremde Unternehmen auszudehnen, ist eine der verbreitetsten Verzerrungen im Netz. Die Traditionen regeln die AA; sie regeln nicht alle, die zufällig über Genesung sprechen.

Was ist der Unterschied zwischen der Kurzform und der Langform der Traditionen?

Die Kurzform (Seiten 561–562) ist die verdichtete Fassung, die bei Meetings vorgelesen wird. Die Langform (Seiten 563–566) ist die ausführlichere ursprüngliche Fassung und sagt erheblich mehr. Das deutlichste Beispiel: Die Forderung der Tradition 3, dass eine AA-Gruppe „keine andere Bindung“ eingeht, steht nur in der Langform. Diese eine Klausel verhindert, dass ein Behandlungszentrum oder irgendeine fremde Stelle eine AA-Gruppe besitzt – und weil fast jede Zusammenfassung im Netz nur die Kurzform wiedergibt, ist diese Klausel aus dem öffentlichen Bild der AA stillschweigend verschwunden. Wenn Sie nur eine Fassung lesen, lesen Sie die lange.

Warum wurden die Zwölf Traditionen geschrieben?

Sie wurden 1950 aus harter Erfahrung verabschiedet, damit die AA nicht in fremden Besitz gerät, vereinnahmt oder von innen zerstört wird. Die frühe AA war nahe daran, finanziert, zur Marke gemacht, professionalisiert und zerstritten zu werden. Die Traditionen sind das Narbengewebe dieser knappen Fälle – eine Verfassung, die sicherstellen soll, dass kein Gönner, keine Institution und keine Fraktion die Gemeinschaft je übernehmen kann. Die Langform der Tradition 7 nennt die Gefahr klar: „… dass nichts unser spirituelles Erbe so endgültig zerstören kann wie unnötiger Streit um Besitz, Geld und Macht.“

Darf eine AA-Gruppe Spenden von außen annehmen?

Nein. Tradition 7 besagt, dass jede AA-Gruppe sich selbst erhalten und von außen kommende Unterstützungen ablehnen sollte. Die Langform (Seiten 563–566) geht weiter: Gruppen sollten sich durch freiwillige Spenden ihrer eigenen Mitglieder erhalten; jede öffentliche Sammlung unter dem Namen Anonyme Alkoholiker ist sehr gefährlich; und die Annahme größerer Geschenke aus irgendeiner Quelle oder von Spenden, die mit irgendeiner Verpflichtung verbunden sind, ist unklug. Sie warnt auch vor Kassen, die über eine vernünftige Reserve hinaus Gelder für keinen festgeschriebenen AA-Zweck horten. Es geht nicht um Armut, sondern um Unabhängigkeit. Eine Gruppe, die niemandem etwas schuldet, kann von niemandem gesteuert werden.

Sind die Zwölf Traditionen Regeln?

Nicht im Sinne von Geboten, die eine Autorität erlässt – die AA hat keine solche Autorität, und Tradition 9 sagt, dass Anonyme Alkoholiker niemals organisiert werden sollten. Die Traditionen sind die gesammelte Erfahrung der Gemeinschaft darüber, was sie am Leben hält, geschrieben in der Sprache von „wir haben gefunden“ statt „Sie müssen“. Aber sie sind auch nicht bloß Vorschläge: Sie sind die strukturellen Bedingungen, unter denen die AA die AA bleibt. Eine Gruppe, die sie missachtet, wird nicht bestraft. Sie hört einfach auf, eine AA-Gruppe zu sein.

Was sind die Zwölf Konzepte und wo stehen sie?

Die Zwölf Konzepte für den Weltdienst stehen auf den Seiten 574–575 von Alcoholics Anonymous, 4. Auflage (englisch), unmittelbar nach den Traditionen. Während die Traditionen das Leben der Gruppen und der Gemeinschaft regeln, regeln die Konzepte die Dienststruktur der AA – wie die Treuhänder, die Gemeinsame Dienstkonferenz und die Dienstausschüsse zueinander und zu den Gruppen stehen.

Ist Recovery Starts eine AA-Gruppe, und binden die Traditionen es?

Nein, und nein. Recovery Starts ist ein unabhängiges Projekt zur Aufklärung über Genesung. Es ist keine AA-Gruppe, nicht mit Alcoholics Anonymous World Services verbunden und spricht nicht für die AA. Die Zwölf Traditionen binden AA-Gruppen und die Gemeinschaft – sie legen einem Projekt von außen keine Einschränkung für seinen Betrieb auf. Wir veröffentlichen die Traditionen vollständig, unverändert und mit Quellenangabe, weil die genaue Fassung schützenswert ist und fast niemand sonst die Langform druckt. Das ist der ganze Grund, warum es diese Seite gibt.

Die Zwölf Traditionen sind Eigentum von Alcoholics Anonymous World Services, Inc. und werden hier vollständig wiedergegeben – beide Formen im Wortlaut der deutschsprachigen AA (Blaues Buch, Anhang 1), mit den Seitenzahlen von Alcoholics Anonymous, 4. Auflage (englisch): Kurzform S. 561–562, Langform S. 563–566. Sie werden unverändert und mit Quellenangabe veröffentlicht, denn eine genaue Tradition ist mehr wert als eine bequeme. Alles außerhalb der zitierten Blöcke – die Erklärungen in einfachen Worten, die Fragen und Antworten – ist Kommentar von Recovery Starts und deutlich als solcher gekennzeichnet. Recovery Starts ist ein unabhängiges Projekt zur Aufklärung über Genesung: keine offizielle AA-Literatur, keine AA-Gruppe, nicht mit A.A.W.S. verbunden und keine medizinische Beratung. AA hat diese Seite weder genehmigt noch befürwortet noch geprüft. Besorgen Sie sich das Buch oder lesen Sie es kostenlos auf aa.org. Wenn Sie in einer Krise sind: TelefonSeelsorge in Deutschland 0800 111 0 111 (kostenfrei, rund um die Uhr), in Österreich 142, in der Schweiz 143; in Lebensgefahr Notruf 112; in den USA und Kanada 988, telefonisch, mit der Bitte um einen Dolmetscher für Deutsch.